Grožnjan liegt über dem Tal des Flusses Mirna auf einem Hügel (228 m Seehöhe), und nimmt eine spektakuläre Position ein, gewissermaßen als Krone des Hügels. Vom grandiosen Aussichtspunkt aus schweift der Blick bis zum Meer. Die Häuser der Stadt sind dicht aneinander gedrängt, was ihr mittelalterliches Aussehen unterstreicht. Der mittelalterliche urbane Stadtkern ist bis auf den heutigen Tag fast unangetastet geblieben. Das ist die natürliche Grundlage für das intensive und interessante Leben, das sich heute in Grožnjan abwickelt. In den letzten 275 Jahren wurde in der Stadt kein einziges neues Gebäude errichtet. Die heutige Stadt entwickelte sich auf einer prähistorischen Siedlung, und aus der vorgeschichtlichen Wallburg entstand eine römische Festung.

– In historischen Texten wurde GROŽNJAN erstmals im Jahr 1102 erwähnt (der istrische Marquis Ulrich II. und seine Frau Adelaide schenkten ihre Ländereien dem Patriarchen von Aquileia).
– 1238 befand es sich im Besitz von Vicard I. Pietrapelosa.
– 1277 wurde eine große Anzahl von slawischen Familien aufgefordert, die Landgüter der Herrschaftsfamilie Pietrapelosa zu bewirtschaften.
– 1286  verpfändete Vicard II. Pietrapelosa das Kastell von Grožnjan an den Patriarchen Raimund.
– 1287, während er mit dem Patriarchen gegen die Venezianer kämpfte, ging Vicard zum Feind über und überließ Grožnjan den Venezianern. Nach Ende des Krieges wurde das Kastell den Eigentümern wieder zurückgegeben.
– 1339  Grožnjan ging wieder in den Besitz des Patriarchen über.
– 1354  Grožnjan ging in den Besitz von Volrich oder Ulrich Reifenberg über.
– 1358 nach Ende des Feudalismus hatte Grožnjan ein Statut.
– 1358 verkaufte Reifenberg den Landbesitz an Venedig für 4000 Dukaten, um seine Schulden zu tilgen.
– 1356 während des Krieges zwischen Venedig und Ungarn leistete Grožnjan den ungarischen Soldaten heftigen Widerstand. Den Ort nahmen ungarische und kroatische Truppen unter dem Befehlshaber Mikica dem Sohn des kroatischen Banus, ein.
– 1358 nahm Venedig Grožnjan in seinen Besitz, und behielt es bis zum Fall der Republik Ende des 18. Jahrhunderts.
– Noch bevor die Venezianer Grožnjan gekauft hatten, besiedelten slawische Familien dieses Gebiet (im 14. Jahrhundert), auf die Aufforderung der germanischen Feudalherren hin.
-1359 der Kapitän von Umag, Petar Dolfin, verlegte seinen Sitz nach Grožnjan, und erneuerte in den Jahren 1360 und 1367 die Stadtmauern, den Stadtpalast, und verstärkte die Verteidigung der Stadt. Das Kapitänsamt blieb hier bis 1394, als es nach Rašpor verlegt wurde.
– Im 15. Jahrhundert wurde Grožnjan unter die gerichtliche Zuständigkeit der Familie Pietrapelosa gestellt.
– 1446 wurden die Wehrmauern wegen der möglichen türkischen Invasionen verstärkt.
– 1557 stand hier schon die Stadtloggia aus der Renaissance, die bis heute erhalten geblieben ist; darin befindet sich die Stadtgalerie FONTICUS Grožnjan.
– 1558 hielt der Gerichtshof hier seine Sitzungen ab, weil Grožnjan einen eigenen Statut besaß.
– Nach der Pestepidemie im Jahr 1630 war Grožnjan ein verlassener Ort.
– im Jahr 1800 besuchte Papst Pius VII den Ort und verlieh Grožnjan „spezifische Reliquien“. Altar, Kirche des hl. Vid, Modest und Kreszentia.
– 1816 besuchte der österreichische Kaiser Franz I. die istrischen Besitztümer, die nach Napoleons Niederlage gekauft wurden; er kam auch nach Grožnjan, wo er mit den dortigen Einwohner zusammentraf.
– 1902 zur Zeit der Donaumonarchie erlebte das Gebiet von Grožnjan einen Aufschwung. Dank der Eisenbahnstrecke „Parenzana“ entwickelte sich der Handel, und die landwirtschaftliche Produktion stieg an.
– 1910 lebten im Stadtkern von Grožnjan 1658 Einwohner, und auf dem Gebiet der Gemeinde 4028 Menschen. In Grožnjan gab es einen Arzt, Postamt, Schule, Anwalt, Notar, Ölmühle, Bäckerei, Lebensmittelgeschäfte, Textilgeschäfte, zwei Metzgereien, einige Gasthäuser, und mehrere Handwerker: Schuster, Schmiede, Schneider, Tischler….

 

DIE NEUERE GESCHICHTE

Der Fall der Donaumonarchie und die Übernahme durch Italien, sowie die allgemeine internationale Wirtschaftskrise haben auch dieses Gebiet wesentlich beeinflusst. In den 20-ger Jahren des 20. Jahrhunderts lebten viele große Familien in Grožnjan, so dass es zu Auswanderungen kam – viele suchten eine neue Existenz in Triest, der am nächsten liegenden Stadt am Meer, oder in Übersee.

Als die faschistische Macht Italiens zum Fall gebracht wurde, kam es zu einem Aufstand, bei dem neben Kroaten und Slowenen auch die italienischen Antifaschisten bis 1945 gegen die faschistische deutsche Okkupation kämpften.

Im September 1943 gab der Antifaschistische Rat für Istrien in Pazin eine Kundgebung bekannt, über die Angliederung Istriens zum Mutterland Kroatien. Diese Kundgebung wurde durch den Antifaschistischen Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens und Antifaschistischen Landesrat der Volksbefreiung Kroatiens (AVNOJ und ZAVNOH) bestätigt.

Im Jahr 1947 wurde in Paris der Friedensvertrag mit Italien unterschrieben. Istrien wurde zwischen Jugoslawien und dem Freien Territorium Triest aufgeteilt, und zwar in die Zone A, die vom angloamerikanischen Militär verwaltet wurde, und Zone B unter der Verwaltung der jugoslawischen Armee. Grožnjan gehörte zur Zone B.

Am 5. Oktober 1954 wurde in London ein Memorandum unterschrieben, mit dem geregelt wurde, dass die Republik Italien die Zone A verwaltet, und die Föderative Volksrepublik die Zone B. Durch den Vertrag von Osimo wurde die Grenze zwischen der Republik Italien und SFR Jugoslawien definiert, wobei die Zone B zu Jugoslawien kam.

Das Memorandum von London enthielt eine besondere Klausel, mit der optiert werden konnte; das führte zusammen mit verschiedenen Maßnahmen der Nationalisierung, Konfiszierung, Zwangsgenossenschaften, verschiedenen Restriktionen und schlechter Agrarpolitik (statt der traditionellen Arbeit in Weinbergen, Olivenhainen und Obstgärten musste Weizen gesät werden), Bruch der wirtschaftlichen Verbindungen mit dem traditionellen Hinterland von Kopar und Triest, Zwangsänderungen der Schulen …dazu, dass unter einer starken italienischen Propaganda bis März 1956 aus diesem Gebiet 2/3 der Einwohner auswanderten, und in Grožnjan selbst nur einige Familien blieben.

In die leeren Häuser von Grožnjan sind teilweise Familien aus der Umgebung eingezogen. Im Jahr 1965, als die „Künstlerstadt“ gegründet wurde, gab man einen Teil der Häuser den Künstlern aus Kroatien, Slowenien und Serbien, und 1969 übergab man einen weiteren Teil der Häuser dem Kulturzentrum der internationalen Föderation der Musikjugend.

Auf diese Weise wurde Grožnjan aus der Stadt der Landwirte und Handwerker zur Stadt der Künstler.